Der Abrufkredit – eine Alternative für Existenzgründer?

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© aa-w, depositphotos.com

Ein Abrufkredit ist eine Möglichkeit, bei einem ausgelasteten Dispokredit jederzeit finanziell flüssig zu sein. Dabei handelt es sich in der Regel um ein zusätzliches Darlehen in gewünschter Höhe mit sehr flexiblen Konditionen. Was die Höhe der Abrufkredite angeht, so liegen die Beträge je nach Anbieter zwischen 2.500 und bis zu 40.000 Euro.

Abrufkredite bei Banken werden für Geschäfts- und auch für Privatkunden zur Verfügung gestellt, weshalb sie gegebenenfalls auch für Existenzgründer sehr interessant sein können. Die zur Verfügung gestellte Kreditlinie wird normalerweise auf dem vorhandenen Girokonto eingerichtet und nur in seltenen Fällen auf einem separaten Bankkonto.

Welche Vorteile hat ein Abrufkredit?

Der Abrufkredit ist auch als Rahmenkredit bekannt und ist im Prinzip nichts anderes, als ein unbefristeter Darlehensvertrag. Der Betrag wird allerdings dem Kreditnehmer nicht voll ausbezahlt, sondern steht in Form eines Kreditkontos zur Verfügung. Bei Bedarf kann sich der Kunde also von diesem Geld bedienen, weshalb die Sollzinsen nur dann fällig sind, wenn der Kredit (oder ein Teil von dem erhaltenen Betrag) in Anspruch genommen wird. Die Kreditlinie kann in Form von Barauszahlungen, Lastschriftverfahren, Überweisungen und auch durch die Kartenverfügungen verwendet werden. Für Existenzgründer ist ein Abrufkredit eine interessante Alternative zu anderen Ratenkrediten, Sofortkrediten oder zu speziellen Darlehensformen ohne Schufa.
Der Kredit lässt sich flexibel und vor allem im Vergleich zu anderen Finanzierungen sehr unbürokratisch einsetzen. Das jeweilige Limite hängt von der wirtschaftlichen Situation und natürlich auch vom eigentlichen Finanzierungsbedarf ab. In der Regel unterliegt ein Abrufkredit auch keiner bestimmten Laufzeit. Das hat natürlich den weiteren Vorteil, dass man als Kreditnehmer bei Bedarf bis auf weiteres auf den zur Verfügung stehenden Betrag zurückgreifen kann. Auch können auf Wunsch auch andere bevollmächtigte Personen wie der Geschäfts- oder Ehepartner in Form einer Kredit- oder EC-Karte auf das Konto zugreifen. Die Zinsen sind im Vergleich zu einem Dispositionskredit wesentlich niedriger.

Welche Nachteile hat ein Abrufkredit?

Was die Nachteile von Abrufkrediten angeht, so liegen diese vorwiegend bei der extremen Flexibilität dieser Finanzierungsmöglichkeit nicht nur für Existenzgründer. Rückzahlungen können deshalb dadurch stark vernachlässigt und aufgeschoben werden, was natürlich auch weitaus höhere Zinsen und Kosten bedeutet. Ein weiteres Problem bei einem Abrufkredit für Startups kann aber auch sein, dass man letztendlich doch viel mehr Geld benötigt, als ursprünglich geplant war. Es ist für Existenzgründer also sehr wichtig, sich vor der Antragstellung einen genauen Überblick über das benötigte Darlehen zu verschaffen und sich vor allem auch konsequent an die gesetzten Richtlinien in Bezug auf den eigentlichen Verwendungszweck des Geldes zu halten. Die Versuchung der Geldausgabe ist bei Rahmenkredite besonders groß, da keine festen Rückzahlungen vorgeschrieben sind. Kunden sind also unbedingt auf eine finanzielle Disziplin angewiesen, da der Abrufkredit bei nicht bezahlten Zinsen natürlich auch monatlich steigt.

Was ist bei der Beantragung zu beachten?

Bevor man bei der Bank einen Abrufkredit für die Selbständigkeit beantragt, sollte man auf einige wichtige Faktoren achten. Dazu zählen u. a. die Auswahl eines geeigneten Kreditgebers, da nicht jede Bank einen Abrufkredit mit einem niedrigen Zinssatz anbietet. Was die eigentliche Antragstellung angeht, so ist der Antrag ähnlich wie bei einem Ratenkredit. Es werden Angaben über das Einkommen, die monatlichen Ausgaben und natürlich auch zu den vorhandenen Schulden erwartet. Die Identität muss bestätigt werden und gegebenenfalls kann auch eine Abfrage bei der Schufa der Fall sein. Kommt es zu einem Abrufkredit über einen Online-Anbieter, dann wird die Vereinbarung erst dann verbindlich, wenn der von der Bank zugesendete Antrag unterschrieben zurückgeschickt wird. In diesem Antrag sind dann auch der eigentliche Zinssatz und die Höhe des Abrufkredites festgelegt. Die Zinsen werden wie schon erwähnt erst dann fällig, wenn das Geld oder ein Teilbetrag davon auch wirklich vom Kreditnehmer genutzt wird. Bei einigen Anbietern besteht übrigens auch die Möglichkeit, eine Kreditversicherung für einen Abrufkredit abzuschließen. Diese Versicherung bietet Schutz bei Arbeits- und Berufsunfähigkeit, bei Arbeitslosigkeit und auch bei Todesfällen.

Gibt es für Selbstständige Einschränkungen?

Ja, denn leider bieten nicht alle Anbieter für Abrufkredite Darlehen für Existenzgründer und Selbstständige an. Die Zinsen können im Vergleich zu Angestellten oder Rentnern als Beispiel deutlich höher für Selbstständige ausfallen, da kein festes Einkommen vorhanden ist. Bei einigen Anbietern stehen Abrufkredite auch nur für bestimmte Berufsgruppen wie z. B. für Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte und Journalisten zur Verfügung und nicht für Händler oder Handwerker. Gegebenenfalls lohnt sich deshalb für Existenzgründer ein Vergleich mit einem Ratenkredit, da dieser unter Umständen bessere und vor allem günstigere Konditionen anbieten kann. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich über die einzelnen Angebote genauestens zu informieren und die Konditionen zu vergleichen. Obwohl der Abrufkredit eine optimale Alternative zum Dispokredit ist, lohnt sich dieses Darlehen nicht für jede Berufsgruppe.

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