Wie können Mittelstandsbeteiligungen dem deutschen Mittelstand helfen?

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@ depositedhar, depositphotos.com

Schon seit einigen Jahren finanzieren immer mehr Unternehmen ihr Wachstum erfolgreich mit dem Kapital von Beteiligungsgesellschaften aus aller Welt. Kein Wunder also, wenn jetzt auch Familienunternehmen dem Private-Equity positiv gegenüber stehen.

Die Investitionen durch diese Beteiligungsfirmen im deutschen Mittelstand, beliefen sich alleine im letzten Jahr auf rund 3,6 Milliarden Euro. Wurden die PEG (Privat-Equity Gesellschaften) früher als sogenannte Heuschrecken verpönt, so sind sie für viele mittelständische Unternehmen jetzt die Rettung vor einer ungewissen Zukunft.

Was versteht man überhaupt unter Private-Equity?

Der Begriff Private-Equity kann als außerbörsliches Eigenkapital übersetzt werden. Es wird also nicht an der Börse gehandelt. Die Kapitalgeber sind in der Regel Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die über einen begrenzten Zeitraum Unternehmensanteile erwerben und somit finanzielle Renditen erwirtschaften. In Europa und vor allem im deutschsprachigen Raum ist Private Equity noch verhältnismäßig neu. In England und Amerika ist diese Art von Unternehmensfinanzierung allerdings schon seit Jahrzehnten bekannt. Die Private-Equity Gesellschaften suchen sich für ihre Investitionen hauptsächlich Unternehmen aus, bei denen das Verhältnis in Bezug auf Risiko und möglichen Renditen attraktiv und günstig ist. Im Vergleich zu den so genannten Venture Capital Gesellschaften ist das Risiko viel höher und das Beteiligungskapital ist für innovative und junge Unternehmen vorgesehen.

Nachfrage an Beteiligungsfirmen steigt

Alleine im letzten Jahr wurden über 170 Unternehmen in Deutschland an Private-Equity Firmen mit einem Wert von knapp 21 Milliarden Euro verkauft. Die größte Übernahme war mit Sicherheit die vom OfficeFirst Immobilienkonzern an den amerikanischen Finanzinvestor Blackstone, bei der es nicht nur um Verbindlichkeiten von 1,9 Milliarden Euro ging, sondern um insgesamt 3,3 Milliarden Euro. Aber auch der bekannte Xella Ytong Hersteller wechselte 2016 erfolgreich seinen Besitzer. Lonestar investierte angeblich 2,2 Mililarden Euro für den Baustoffkonzern aus Duisburg. Dieser US Finanzinvestor ist unter anderem auch als Eigentümer der Deutschen Industriebank und der Düsseldorfer Hypothekenbank bekannt, sowie auch für mehrere Immobilieninvestments, wie beispielsweise der Erwerb von 1300 Objekten der Deutschen Post.

Für chinesische Investoren ist Deutschland nach wie vor ebenso interessant, wie für die amerikanischen Beteiligungsfirmen. Laut einer Studie von Ernst & Young (Prüfungs- und Beratungsgesellschaft) wurden rund 10 Milliarden Euro in deutsche Unternehmen investiert. Zu den bekanntesten Übernahmen zählt übrigens die EEW (Energy from Waste) Müllverbrennungsanlage in Hannover, die der Beeijing Enterprises Holding 1,44 Milliarden Euro kostete. Aber auch der 925 Millionen Euro Verkauf der Krauss-Maffei Kunststoffproduktion an ChemChina, dem chinesischen Staatsunternehmen, zählt damit zu den teuersten Übernahmen eines chinesischen Unternehmens.

Warum ist Private-Equity auch für den Mittelstand interessant?

Vor allem die Familienunternehmen haben durch die Beteiligungsgesellschaften größere Chancen, geeignete Investoren für notwendige Finanzierungen zu erhalten. Den Private-Equity Gesellschaften steht heutzutage deutlich mehr Investitionskapital zur Verfügung wie noch vor einigen Jahren. Im Fokus für Beteiligungen stehen die IT-Branche, Biotech und Medizintechnik, sowie auch die Umwelt. Allerdings sind die Preise der deutschen Unternehmen zur Zeit auch ziemlich hoch, kein Wunder also, wenn die Beteiligungsfirmen immer mehr nach den Mittelständlern in Deutschland Ausschau halten.

Eine bekannte Beteiligungsgesellschaft aus Deutschland ist die Otto Prange Gruppe. Mit Standorten in 8 Ländern sowie über 1100 Mitarbeitern ist die Prange Gruppe besonders stark aufgestellt. Auch die Beteiligungen sind weit gefächert und umfassen u.a. verarbeitende Industrien, Beratung & Dienstleistung sowie Unternehmen aus IT, Energie und Umwelt.

Für Riesenschlagzeilen sorgte erst vor kurzem ein niederrheinischer Mittelständler für Rohrteile. Warren Buffett, der bekannte Star-Investor kaufte über eine Tochtergesellschaft seiner Berkshire Hathaway das kleine 1945 gegründete Krefelder Unternehmen. Obwohl es über die Summe dieser Investition noch keine offiziellen Angaben gibt, geht man davon aus, dass es sich dabei nicht um eine einmalige Anlage handelt. Der Berkshire Hathaway stehen rund 85 Milliarden Dollar für weitere Investitionen zur Verfügung. Auch investierte Warren Buffett bereits vor einigen Jahren 400 Millionen Euro in einen Händler für Motorradzubehör aus Hamburg.

Wie sieht es mit dem deutschen Private-Equity Markt aus?

Was das deutsche Mittelstandsegment betrifft, so werden die Preise laut dem Finance Fachmagazin als teuer eingestuft. Als gefährlich übertrieben gelten vorwiegend die Preise in Bezug auf Medizintechnik, sowie auch bei den deutschen Technologieunternehmen. Nicht überbewertet sind hingegen Branchen wie Anlagenbau, Maschinenbau und auch die Automobilzulieferer. Im deutschen Mittelstand wurden letztes Jahr durch die Private-Equity Unternehmen ca. 3,6 Milliarden Euro finanziert. Rund ein Drittel der realisierten Transaktionen gingen übrigens auf Kosten der Unternehmensnachfolge. Nicht umsonst werden Privaty-Equity-Gesellschaften mittlerweile als Retter für den deutschen Mittelstand und auch insbesonders für Familienunternehmen angesehen. Die Nachfolgeregelung ist bei den meisten Familienbetrieben nicht nur ein heikles Thema, sondern entscheidend für die Zukunft. Angeblich werden rund 100.000 Eigentümer in den nächsten Jahren aus ihren mittelständischen Firmen in Deutschland ausscheiden müssen. Die ursprüngliche Negativität der Firmeneigentümer in Bezug auf eine Übernahme durch Beteiligungsgesellschaften hat sich aber glücklicherweise deutlich gewandelt. Von den insgesamt 34 Buy-outs waren laut dem Finance Magazin 10 davon für die Familiennachfolge verantwortlich. Die Nachfrage nach Beteiligungsfirmen im deutschen Mittelstand unterliegt also mehr als deutlich einem positiven Aufwärtstrend.

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