Was ist dran, am ewigen Lernen?

Es vergeht wohl kein Tag in unserem Leben, in dem wir nicht etwas neues erfahren oder hinzulernen. Ob wir das tatsächlich als Lernen wahrnehmen, hängt stark davon ab, wie sehr uns etwas interessiert und was dieses Wissen uns nutzt. Kein Wunder, dass es in der Arbeitswelt also heißt, dass nur die, die besten Jobs kriegen, die ein Leben lang lernen.

Der angeborene Wissensdurst

Die Schulzeit ist ein Paradoxem. Bevor Kinder zur Schule dürfen, freuen sie sich wie wild. Sind sie erst eine Weile da, vergeht die Freude und sobald die Schulzeit unwiderruflich vorbei ist, wollen fast alle wieder zurück. Im Grunde lässt sich das leicht erklären. Der Wissensdurst ist uns von Geburt an mitgegeben. Wir lernen mit allen Sinnen und je nach Entwicklungsfortschritt und Konzentrationsvermögen schneller oder langsamer. In der Schulzeit weicht die natürliche Neugier dem Zwang zum Lernen und dem Leistungsvergleich, der sich in Form von Noten niederschlägt. Verständlicherweise hat jeder seine Lieblingsfächer, in denen er trotz Notendruck gern und leicht lernt, aber auch die Fachbereiche, die allein in der Vorstellung schon Horror sind. Vor allem zum Ende der Schulzeit hin, ist bei den meisten die Sehnsucht nach dem allerletzten Schultag in ihrem Leben groß. Doch schnell zeigt sich, dass die Schulbank im wahrsten Sinne eine unendlich lange Bank ist. Denn die Berufsausbildung oder das Studium reihen sich nahtlos ein und mit einem Abschluss in der Tasche und dem Eintritt in die Praxis, zeigt sich erst wie viel es noch zu lernen gilt.

Fürs Berufsleben bedeutet dies, sich für eine Fachrichtung zu entscheiden, an der großes Interesse besteht und in denen die Fächer zur Anwendung kommen, die einem schon immer leicht gefallen sind. Nur so macht es auch Freude, sich Wissen anzueignen und in der Praxis zu erproben. Im Arbeitsleben wünschen sich viele Arbeitnehmer dann auch früher oder später, an einer Weiterbildung teilnehmen zu dürfen und suchen selbst nach geeigneten Angeboten und Möglichkeiten der finanziellen Förderung.

Berufliche Weiterbildung gut für die Persönlichkeitsentwicklung

Lernen für den Job bringt natürlich auch dem Arbeitgeber etwas. Trotzdem sollte der Gedanke an beruflichen Bildungsangeboten nicht nur als Aufgabe verstanden werden. Viel mehr bieten Weiterbildungen, Spezialisierungsseminare oder Aufstiegsfortbildungen auch Chancen für die Persönlichkeitsentwicklung.

Selbstbewusstsein

Wissen in beruflichen Fragen macht sicherer und somit auch selbstsicherer. Außerdem schätzen Kollegen die Kompetenz und richten gezielt Fragen an einen gut qualifizierten Mitarbeiter oder Vorgesetzten. Arbeit geht schneller von der Hand und die Ergebnisse werden besser, was bei guten Vorgesetzten auch Lob einbringt.

Work Life Balance

Bildung ist ein wesentlicher Indikator für die eigene Work Life Balance. Fehlendes Wissen schürt Angst vor Fehlern und lässt Aufgaben unglaublich schwer erscheinen. Dadurch wird mehr Zeit beansprucht und die Unsicherheiten führen vielleicht zu Fehlern. Das stresst ungemein. Mit Weiterbildungen wird der Stress gemindert.

Motivation

Unternehmen planen ihre Personalentwicklung vorausschauend. Wird der Mitarbeiter in die Planung eingebunden, motiviert es ihn, dass er in seinem Betrieb Entwicklungsmöglichkeiten bekommt und Aufstiegschancen sieht. Das wirkt sich auf die Arbeitsergebnisse aus, aber auch auf die Mitarbeiterbindung. Denn motivierte Mitarbeiter mit Perspektiven haben seltener den Drang abzuwandern.

Lernen und das liebe Hirn

Je mehr das Gehirn gefordert wird, desto besser arbeitet es. Lernen fällt leichter, wenn das Hirn in Übung bleibt. Für Senioren wird seit Jahrzehnten verstärkt empfohlen, sich neue Hobbys zu suchen. Sprachkurse für Senioren sind beliebt, weil Rentner nun endlich auch die Zeit finden, zu reisen und ihre neu erworbenen Kenntnisse anwenden können. Doch auch Arbeitnehmer widmen sich neuen Themen, auch im privaten Bereich. Sie lernen neue Sportarten kennen, müssen sich mit der voranschreitenden Digitalisierung auseinandersetzen, die in privaten Haushalten deutlich ausgebauter ist als im beruflichen Bereich.

Studien haben gezeigt, dass bei einigen Demenzformen der Fortschritt der Erkrankung mit dem vorhandenen Wissen zusammenhängt. Dies gilt zwar nicht für alle Formen, doch je mehr im Leben gelernt wurde, umso mehr muss auch wieder verlernt werden und desto länger bleiben Fähigkeiten und Kenntnisse erhalten. Es wird sogar behauptet, dass eine gute Bildung helfen kann, Alzheimer zu verhindern. Jedenfalls dann, wenn man sein Wissen umsetzt und beispielsweise gesund lebt.

Wissen und Erinnerung

Reines Wissen ist nicht mit Erinnerung zu verwechseln. Das zeigen Fälle von Amnesie, bei denen sich Menschen nicht mehr daran erinnern, wer sie sind, aber beispielsweise noch Fremdsprachen verstehen oder wissen, wann Columbus Amerika entdeckt hat. Aufgrund der Lebenserfahrungen die wir machen, bilden wir allerdings verschiedene Gedächtnisse aus, die uns durchs Leben helfen. Dabei wird nicht nur zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis unterschieden, sondern es kommen das Körpergedächtnis, das Schmerzgedächtnis, das immunologische Gedächtnis etc. hinzu. Alle haben unterschiedliche Aufgaben und sorgen dafür, dass wir mit äußeren und inneren Einflüssen besser zurecht kommen, wenn der Körper einmal in Kontakt mit diesem Einfluss war.

Lernen lernen

Es gibt die Wissenschaft vom Lernen, die sich u.a. mit Lerntypen und Methoden befasst. Jeder hat individuelle Lernvoraussetzungen und nutzt für sich bevorzugte Kanäle, um Wissen aufzunehmen und zu behalten. Dabei spielen die Sinne, die Konzentrations- und Merkfähigkeit ebenso eine Rolle wie der Intellekt. Um erfolgreich lernen zu können, muss Wissen so dosiert werden, dass es weder über- noch unterfordert.

Übrigens stellen sich auch viele knifflige Herausforderungen an Lehrende. Wer nicht gut erklären kann, wird niemandem erfolgreich Wissen vermitteln können, selbst wenn er es im Schlaf herbeten könnte. Spannende Wissensvermittlung lebt von Methoden, der Fähigkeit die Stimme gezielt einzusetzen, aber auch von einer Aufbereitung des Stoffes für alle Lerntypen, denn der eine muss lesen, was sich merken soll, der andere muss es hören.

Für fachlich anspruchsvolle Weiterbildungen gibt es Seminare die tatsächlich das Thema „Lernen lernen“ behandeln und den Interessierten zeigen, wie sie ihren eigenen Lerntyp erkennen und welche Methoden, Apps und Materialien sich einsetzen lassen, um das Lernen zu erleichtern.

Die Lerngeneration von heute profitiert sehr von den technischen Hilfen, die es gibt. Das Internet bietet Podcasts, Videos oder Downloadlinks und am Smartphone unterstützen Apps das Lernen. Damit kann zeit- und ortsunabhängig gelernt werden und je nach technischer Ausstattung auch der Sport oder Arbeitsweg zur Lernzeit werden.

Lebenslanges Lernen ist keine Erfindung der Neuzeit. Im Grunde wenden Menschen es an, seit es die Menschheit gibt. Letztendlich hat dieses Modell uns so weit gebracht, wie wir heute sind.

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