Portfoliotheorie für den Investor

Für Sie als Investor ist es eine zentrale Frage, auf welche Investitionen Sie Ihr Kapital aufteilen sollen. Das Ziel ist natürlich ein möglichst günstiges Verhältnis von Risiko und Ertrag. Das Ergebnis Ihrer Entscheidungen ist ein Portfolio von Investitionen. Über diese Aufteilung und ihre Eigenschaften gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die in der Portfoliotheorie zusammengefasst sind. Diese Theorie enthält kein Patentrezept für den Anlageerfolg, aber sie stellt nützliche Begriffe bereit und bietet interessante Ansätze.

Die Anfänge der Portfoliotheorie

Die Portfoliotheorie begann mit dem Fachartikel „Portfolio Selection“, der vor genau 70 Jahren im Journal of Finance erschienen ist und als revolutionär angesehen wurde. Das noch geringe Alter des ganzen Fachgebiets wird dadurch deutlich, dass der Autor Harry Markowitz heute noch lebt.
Auf minimaler Länge zusammengefasst lässt sich der Inhalt so beschreiben, dass Markowitz neben dem Ertrag einer Investition auch das dafür einzugehende Risiko systematisch untersuchen wollte.
Die in diesem fundamentalen Artikel verfolgten Ziele bestehen zum Ersten aus dem Quantifizieren von Entscheidungen eines Investors zur Minimierung des Risikos. Zum Zweiten wird untersucht, wie unter bestimmten Annahmen ein optimales Portfolio aussehen muss. Diese Theorie ist eine Grundlage für das Management eines Portfolios.

Ansatz und Methoden der Portfoliotheorie

Die Theorie verfolgt das Ziel, beweisbare Folgerungen vorlegen zu können. Dazu ist es notwendig, vereinfachte Modelle zu betrachten, die bestimmte Annahmen erfüllen.
Die mathematischen Methoden werden auf die Frage angewendet, wie sich der Ertrag bei vorgegebenem Risiko maximieren lässt. Unter den entsprechenden Annahmen besteht eine Leistung der Theorie in der exakten Begründung der Diversifikation. Weil verschiedene Investitionen unterschiedlichen Unwägbarkeiten unterliegen, sinkt das Risiko des Gesamtportfolios. Dieser Umstand wird von den meisten Investoren als intuitiv einleuchtend betrachtet. Die Portfoliotheorie ermöglicht eine exakte Herleitung dieser Idee in entsprechenden Modellen.

Annahmen und ihre Probleme in der Portfoliotheorie

Betreffend das Verhalten des Investors klären diese Annahmen die ohnehin plausiblen Umstände, wie dass der Investor ein höheres Risiko nur für einen größeren potentiellen Ertrag in Kauf nimmt.
Es gibt aber auch Annahmen, die weniger eindeutig sind. Eine Abwägung von Chancen und Risiken nimmt eine Bedeutung erst im Zusammenhang mit Annahmen über die Markteffizienz an. Es gibt zahlreiche verschiedene Ansätze, wenn es darum geht, welche Chancen ein Markt überhaupt bietet. Die extremste Ansicht besteht darin, dass alle Informationen immer von allen Marktteilnehmern optimal verarbeitet werden, die Kurse deshalb den inneren Wert einer Investition genau abbilden und ein Mehrertrag über das allgemeine Wirtschaftswachstum hinaus gar nicht möglich ist. Diese Annahme ist aber nicht zuletzt deshalb problematisch, weil sie sich selbst den Boden unter den Füßen wegzieht. Träfe sie in dieser Form zu, wäre jeder Aufwand zur Verarbeitung von Informationen für Sie als Investor sinnlos, würde deshalb unterlassen und auf diese Weise müsste die Markteffizienz notwendigerweise abnehmen.
Es ist also klar, dass Überlegungen über das Verhalten von Investoren und Eigenschaften eines ganzen Marktes für die Wahl von Investitionen durchaus von Interesse sind.
In der Portfoliotheorie selbst fand erst in den Jahren nach 1952 eine befriedigende Klärung der Begriffe statt. Markowitz unterschied nicht eindeutig zwischen Ungewissheit und Risiko. Ungewissheit ist neutral und bezieht sich sowohl auf bessere als auch schlechtere Ergebnisse als eine bestimmte Einschätzung. Risiko hingegen bedeutet das Eintreffen von schlechteren Resultaten.
Die Überlegungen der Portfoliotheorie besitzen für Investoren schon ohne mit mathematischen Methoden abgeleitete Ergebnisse einen Wert. Dieser liegt in einer besseren Klärung der Begriffe und Unterscheidungen verschiedener Effekte.

Ergebnisse der Portfoliotheorie für Sie als Investor

Wenn der Sinn der Diversifikation mathematisch unter vereinfachenden Annahmen bewiesen wird, ist der Vorwurf der grauen und eigentlich überflüssigen Theorie vom Standpunkt des Praktikers nicht ganz unverständlich.
Ein größeres Interesse für Sie als Investor wird die Überlegung finden, welche Annahmen tatsächlich realistisch sind. Das ist nicht nur für die Anwendung der Folgerungen von Nutzen, sondern dient der Klärung der Situation, mit der Sie zurechtkommen müssen.
Eine von der Portfoliotheorie eingeführte Unterscheidung betrifft den Unterschied zwischen systematischem und unsystematischem Risiko. Alle Wertpapiere und Investitionen unterliegen einem systematischen Risiko. Dieses stellt das Risiko dar, überhaupt zu investieren, statt zum Beispiel das ganze Portfolio in Werten ohne direkten Ertrag wie Gold zu veranlagen.
Das unsystematische Risiko hingegen betrifft verschiedene Investitionen in unterschiedlicher Art und in unterschiedlichem Umfang. Es ist dieses Risiko, das sich durch Diversifikation verringern lässt.
Ein ständiger Begleiter für den Investor ist der Ausgangspunkt von Harry Markowitz, nämlich das Verhältnis von Rendite und Risiko. Gerade bei diesem Thema zeigt sich sehr deutlich, in welch geringem Ausmaß sich die Klärung der Begriffe durch die Portfoliotheorie auch 70 Jahre später durchgesetzt hat. In Prospekten für bestimmte Fonds oder ähnliche Angebote liest man immer wieder die Wendung, das Ziel bestehe in größtmöglichem Ertrag bei geringstmöglichem Risiko. Im besten Fall ist das eine irreführende Darstellung dessen, was mit Investieren möglich ist. Sie können Ihre Risikotoleranz festlegen und auf dieser Grundlage die Rendite maximieren. Ebenso ist es möglich, eine Renditeerwartung festzulegen und das Risiko dabei so gering wie möglich zu halten. Es macht aber keinen Sinn, zwei voneinander abhängige Größen gleichzeitig optimieren zu wollen. Wenn Sie nur diese Überlegung aus der Portfoliotheorie mitnehmen, hat sie sich für Sie schon gelohnt.

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