Mittwoch, Oktober 28, 2020
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Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

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Nicht erst seit Greta Thunberg so vehement für das Klima kämpft, ist der Begriff der Nachhaltigkeit in aller Munde. Auch in der Wirtschaft setzt sich Nachhaltigkeit als Qualitätsfaktor durch, nachdem viele Jahre das Augenmerk einzig und allein auf der Massenproduktion zur Reduzierung der Stückzahlkosten lag. Doch inzwischen müssen Unternehmen eine Philosophie der Nachhaltigkeit in allen Bereichen nachweisen, damit sie bei den Verbrauchern überhaupt noch bestehen können.

Immer mehr Menschen beziehen den Aspekt der Nachhaltigkeit (von der Herkunft der Rohstoffe über deren Gewinnung, Lagerung und Lieferung, dem gesamten Produktionsprozess eines Gutes sowie deren Lieferung an den Verbraucher) in ihre Kaufentscheidung mit ein. Das gilt auch für Druckereien. Wollen sie wettbewerbsfähig bleiben, müssen sie nachweislich ein aktives Umweltmanagement betreiben, indem sie zum Beispiel Lösungsmittelfrei drucken und auf Biofarben sowie FSC-Papiere setzen. Denn nur so kann der Kunde in Zeiten gesteigerten Umweltbewusstseins guten Gewissens mit gedruckten Mailings Werbung machen. Auch Werbegeschenke sind von Nachhaltigkeit nicht ausgenommen.

Nachhaltigkeit als ressortübergreifendes Thema

Nachhaltigkeit in vielen Wirtschaftsbetrieben bedeutete bisher in erster Linie, weniger Ressourcen wie zum Beispiel Wasser und Energie zu verbrauchen. Inzwischen jedoch beschäftigen sich immer mehr Unternehmen ressortübergreifend mit dem Thema. Ob Einkauf, Produktion oder Verwaltung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz nehmen in allen Bereichen immer größere Bedeutung ein. Das ist nicht zuletzt auch für das Anwerben junger Fachkräfte von Bedeutung. Denn nicht nur die Kunden wollen Produkte von umweltbewussten Unternehmen, auch Arbeitskräfte legen Wert auf Nachhaltigkeit als Geschäftsphilosophie ihres Arbeitsgebers. Der Fuhrpark besteht aus Hybrid- und Elektroautos, Energie und Wärme erzeugen eigene Photovoltaik- oder Solaranlagen, Abfälle werden größtenteils vermieden oder doch zumindest recycelt. Der Einkauf setzt diese Maßstäbe auch bei den Geschäftspartnern an. Rohstoffe und Material werden vorzugsweise von Firmen mit gleicher Einstellung eingekauft. Umweltschutz wird zur Philosophie, entsprechende Zertifizierungen gefordert. Die Erlangung solcher Zertifikate ist langwierig, kostspielig und obendrein sehr aufwändig. Für die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 wurden zum Beispiel bestimmte Ökobilanzen und Umweltkennzahlen definiert, die es einzuhalten gilt. Die Zertifikate werden meist jährlich überprüft, so dass man ein erlangtes Umweltzertifikat sehr wohl als Auszeichnung eines Betriebes werten kann. Betriebe mit entsprechenden Zertifikaten haben deshalb völlig zurecht inzwischen einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil.

Grüne Unternehmen für eine grüne Wirtschaft

Gleichzeitig wachsen grüne Startups wie Pilze aus dem Boden. Sie bilden nach dem Handel sogar das größte Gründungsfeld. Ihre GründerInnen konzentrieren sich von Anfang an auf Nachhaltigkeit und zählen zur sogenannten „Green Economy“. Die Vereinten Nationen definieren die „Green Economy“ als „Wirtschaftsweise, die menschliches Wohlergehen steigert und soziale Gleichheit sicherstellt, während gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheiten erheblich verringert werden“. Diese Unternehmen verbinden ideenreich Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kultur mit ihren grünen Produkten und Dienstleistungen. Tätigkeitsfelder sind beispielsweise Erneuerbare Energien, E-Mobilität, Clean Tech oder auch Bio-Lebensmittel. Gerade im Bereich von Bio-Lebensmitteln steigt die Nachfrage stetig. Regionale und saisonale Produkte erfahren eine beeindruckende neue Beliebtheit. Auch wenn Startups in der grünen Wirtschaft noch einige Probleme (zum Beispiel mit der Finanzierung) haben, gelten sie doch als Motor für Innovation und Fortschritt. Sie zwingen damit auch herkömmliche Unternehmen zur Veränderung.

Von der Politik begleitet

Dieser Wandel hin zu ökologischer Nachhaltigkeit findet nicht zuletzt in Forschung und Politik ihren Widerhall. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit hat im Rahmen einer Agenda zur Green Economy einen Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik angestoßen, der durch Forschung mit konkretem Anwendungsbezug den Wandel hin zur Green Economy fördern soll. Dafür wurden bis zum Jahr 2018 insgesamt 350 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auch das Ministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt die Bestrebungen zu mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft durch Beratungsangebote und unterschiedliche Förderprogramme. 2017 flossen mehr als 17 Milliarden Euro in Forschung und Innovation, darunter auch Existenzgründerprogramme für innovative grüne Unternehmen.

Nachhaltigkeit von Anfang an

In der Agenda 2030 der Vereinten Nationen ist die Bildung für eine nachhaltige Gesellschaft der Zukunft als eines von 17 Zielen festgeschrieben. Gerade die Bildung ist ein wirksames Instrument, um der Bedeutung von Umwelt- und Naturschutz für die Zukunft mehr Nachdruck zu verleihen. Bildung ist der Kern für nachhaltiges Handeln aller Gesellschaftsschichten, sowohl beruflich als auch privat. Ausbildern und Lehrkräften kommt dabei eine besondere Rolle zu, sie müssen Vorbilder sein und berufliche Kompetenz in Sachen Nachhaltigkeit vermitteln. Die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür muss die Politik schaffen. Erste Modellversuche wurden bereits angestoßen.

Fazit

Wirtschaft und Umweltschutz müssen kein Widerspruch sein. Vielmehr arbeiten Wirtschaft, Forschung, Politik und Gesellschaft bereits am Wandel der herkömmlichen, ressourcenintensiven Industrie hin zu einer grünen, nachhaltigen Wirtschaft. Und dieser Wandel entwickelt sich zum Motor für Innovationen und Fortschritt, der einen Weg in eine klimaneutrale, umweltbewusste Gesellschaft weist, die auch künftigen Generationen Wohlstand und Lebensqualität verspricht.

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