Risiken und Absicherung im Außenhandel

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@ winterling , depositphotos.com

Kein Außenhandel ist ohne Risiko. Denn wie beim Inlandsgeschäft entstehen auch bei international getätigten Geschäften Risiken, die berücksichtigt werden müssen. Zu den bereits aus dem Inlandshandel bekannten Risiken, kommen somit noch weitere hinzu. Dadurch wird der Außenhandel besonders riskant, wenn man kein vernünftiges Risikomanagement einplant.

Grundsätzlich ist jedes Risiko neutral, da man dieses, wie im Fall des Währungsrisikos auch im positiven Sinne ausnutzen kann. Trotzdem sollten Risiken bereits zu Beginn jeder Unternehmung minimiert werden, denn sie machen das Geschäft ansonsten schwer planbar und spekulativ. Um diesen entgegen zu treten, muss man zunächst verstehen, welche Risiken den Außenhandel bestimmen.

Politische Risiken / Länderrisiko

Das politische Risiko bzw. Länderrisiko beinhaltet alle Gefahren, die durch die instabile politische Lage eines Staates entstehen können. Dadurch können oftmals Zahlungen oder Leistungen nicht durchgeführt werden, obwohl die ausländischen Partner sehr wohl selbst dazu in der Lage wären. Man kann weiter unterteilen in:

  • Risiken durch Streik, Kriege und Unruhen – unerwartete politische Ereignisse, die zu Verzögerungen oder Ausfällen führen
  • Enteignung, Beschlagnahmung – durch staatliche Maßnahmen oder Einwirkung des Auslandes verschuldete Sicherstellung der Ware gegen den Willen des Besitzers
  • Transferrisiko – Einschränkung oder Verbot des freien Transfers von fälligen Zahlungen
  • Zahlungsverbot – durch staatliche Maßnahmen wird verboten, dass noch ausstehende Schulden gegenüber Gläubigern beglichen werden
  • Zahlungsmoratorium – vorübergehende Einstellung oder Verschiebung der Zahlung seiner Schulden
  • Konvertierungsverbot – eine Konvertierung seiner landeseigenen Währung wird durch staatliche Maßnahmen verboten

Wirtschaftliche Risiken

Wirtschaftliches Risiko umfasst die Gefahr, die auf ökonomischen Fehleinschätzungen beruht und z.B. Zahlungsunfähigkeit auslöst. Hier sind die Risiken, bedingt durch die räumliche Entfernung und die unterschiedlichen Rechts- und Wirtschaftssysteme, ungleich größer als im Inlandsgeschäft.

Beide Seiten betreffend:

  • Vetragserfüllungsrisiko – Störungen bei Erfüllung des Kaufvertrages, z.B. Lieferung der Ware erfolgt nicht, ist verspätet oder hat Mängel oder Zahlungen werden verspätet getätigt
  • Kursrisiko – Hier ist in erster Linie das Währungsrisiko gemeint, das durch stark fluktuierende Wechselkurse hervorgerufen werden kann.
  • Standortrisiko – falsche Standortwahl kann sich negativ auf die Kosten auswirken (z.B. Steuern, Transportkosten etc.)
  • Preisrisiko – Preisveränderungen für Rohstoffe oder Lohnerhöhungen können die Wirtschaftlichkeit des Handels gefährden

Den Exporteur betreffend

  • Annahmerisiko – der Besteller kann die Ware nach Fertigstellung z.B. infolge politischer Unruhen nicht abnehmen
  • Zahlungsrisiko – der Kunde kann seinen Zahlungsverpflichtungen nicht oder nur teilweise nachkommen
  • Kreditrisiko – durch Zahlungsverzug entstandene Schuld, die zum unvereinbarten Kredit führt

Den Importeur betreffend:

  • Lieferungsrisiko – dem Exporteur kann die Versendung z.B. infolge politischer Unruhen nicht mehr zugemutet werden.
  • Qualitätsrisiko – die Ware entspricht nicht der vereinbarten Qualität, Mängel sind die Folge
  • Zollrisiko – Die Verzollung fällt höher aus, als erwartet
  • Transportrisiko – verschiedene Schadensmöglichkeiten, wie z.B. Diebstahl, Wasser, Bruch, Feuer, unkorrekte Lagerung oder Klimaeinwirkung machen die Ware unbrauchbar

Weitere Risiken

Es existieren aber noch weitere Risiken. Die wichtigsten sind hier zusammengefasst:

  • Rechtliche Risiken – Hierzu zählen unterschiedliche Gesetze oder Verordnungen, die das Handelsgeschäft unnötig erschweren. Auch können besondere Einfuhr- oder Ausfuhrbedingungen den Handel erschweren. Des Weiteren können Devisenbestimmungen den Aussenhandel negativ beeinflussen.
  • Interkulturelle Risiken – Unterschiedliche Sprache und Mentalität können oft zu Missverständnissen führen. Unterschiedliche Usancen können sich zudem negativ auf das Handelsgeschehen auswirken.

Durch Risikomanagement können Risiken minimiert werden

Vor jedem Vertragsabschluss sollten alle Risiken untersucht und bewertet werden. Dabei sollte das Unternehmen versuchen riskante Geschäfte zu meiden. Zudem sollten Absicherungsmaßnahmen getroffen werden, damit Risiken minimiert oder komplett eliminiert werden. Aber auch eine mögliche Abwälzung der Risiken auf den Kunden sollte Gegenstand der Überlegungen sein.

U.a. existieren verschieden Werkzeuge, um das Risiko bereits im Vorfeld zu minimieren. Hierzu gehört die genaue Definition aller vertraglich festgelegten Vereinbarungen. Auch sollten Vertragsstrafen vereinbart werden, falls Zahlungs- oder Lieferausfälle eintreten, oder andere wichtige Punkte gebrochen werden. Zudem sollte der Gerichtsstand festgelegt werden. Hierbei empfiehlt sich immer der Gerichtsstand des eigenen Landes, da ansonsten rechtliche Risiken zu erwarten sind. Letztendlich aber wird man nicht alle Risiken eliminieren können, denn kein Auslandsgeschäft ist ohne ein Restrisiko.

Seine Waren gegen Risiken im Außenhandel versichern

Alleingelassen müssen Sie sich jedoch nicht fühlen, wenn Sie den vielfältigen Problemen und Risiken entgegentreten. Denn es gibt auch Versicherungsgesellschaften, die Risiken weitgehend kalkulierbar machen. In der Bundesrepublik übernimmt z.B. die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG im Auftrag des Bundes gegenüber ausländischen privaten Bestellern Garantien und gegenüber öffentlichen Bestellern Bürgschaften. Gegenstand der Hermes-Deckung sind u.a. das politische Risiko und wirtschaftliche Risiken, wie z.B. das Währungsrisiko und Transportrisiko

Tritt der Schadensfall ein, so ersetzt Hermes nach einem Selbstbehalt von maximal 15% den Ausfall des Exporteurs. Die Kosten richten sich nach der zeitlichen Übernahme des Risikos und nach der Deckung der verschiedenen Risiken. Sie sind in Anbetracht der eingekauften Sicherheiten aber durchaus tragbar. Allerdings deckt Hermes nur Geschäfte mit überschaubaren Risiken.

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