Passende Mitarbeiter für das Start-up: Worauf bei der Personalsuche zu achten ist

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Viele Existenzgründer bemühen sich zu Recht am Anfang der Unternehmensgründung darum, die Fixkosten so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört es auch, entweder alleine oder mit sehr kleiner Belegschaft zu beginnen.

Irgendwann zeigt sich aber: Je mehr Zeit für administrative Tätigkeiten aufgebracht werden muss, desto weniger Freiraum steht für die eigenen Kernkompetenzen zur Verfügung. Die Arbeit leidet, der Stress erhöht sich – und die Frage drängt sich auf, wie sich für das Start-up geeignetes Personal finden lässt.

Erster Schritt: Stellenanzeige anfertigen

Am Anfang steht die Analyse: Bevor eine Stellenanzeige geschaltet wird, muss ein Profil des gesuchten Mitarbeiters erstellt werden. Neben dem möglichen Gehalt müssen dabei auch die Aufgaben sowie die Arbeitszeiten so genau umrissen werden wie möglich. Auch wenn diese Aufgabe zunächst viel Zeit kostet, zahlt sich der Aufwand aus: Die Suche nach dem optimalen Mitarbeiter wird so deutlich vereinfacht. Bei dieser Frage sollten auch verschiedene Varianten des Beschäftigungsverhältnisses in Betracht gezogen werden.

Für viele Tätigkeiten ist es keinesfalls notwendig oder sinnvoll, eine Vollzeitkraft einzustellen und zu entlohnen. Freie Mitarbeiter sinken die Fixkosten, Studenten- und Minijobs ermöglichen eine günstige Erfüllung einfacher Aufgaben. Zudem lassen sich mehrere Minijobs flexibler einsetzen als eine einzige Vollzeitkraft. Auch bei Krankheit oder Urlaub ist es von Vorteil, auf einen größeren Mitarbeiterstamm bauen zu können. Beim Arbeitsverhältnis sollte zudem bedacht werden, dass dieses Vertragsverhältnis bindend ist. Nach Ablauf einer Probezeit ist es nicht mehr einfach und unkompliziert möglich, einen Arbeitnehmer zu entlassen.

Stelle online offerieren

Sind diese Fragen geklärt, muss die richtige Plattform für das Stellengesuch gefunden werden. Bis vor wenigen Jahren war es vollkommen üblich, Stellenanzeigen in der örtlichen Tagespresse aufzugeben. Zum einen wurden diese Anzeigen von einer großen Leserschaft erfasst, zum anderen konnten auf diese Weise vor allem regionale Bewerber erreicht werden. Durch die zunehmende Digitalisierung hat sich auch die Arbeitswelt gewandelt: Insbesondere für Jobs höherer Qualifikationen oder exotische Berufe ist die überregionale Stellensuche obligatorisch. Für das Start-up ergeben sich gleichfalls neue Möglichkeiten: Sofern bereits eine eigene Web-Präsenz vorhanden ist, kann direkt hier nach Mitarbeitern gesucht werden. Bei einer Existenzgründung ist diese Variante allerdings nicht immer erfolgsversprechend, weil die Bekanntheit des Unternehmens noch eingeschränkt ist.

Einfacher ist die Mitarbeitersuche auf Jobbörsen. Dabei gibt es natürlich die Möglichkeit über das Arbeitsamt direkt zu suchen. Fachkräfte werden heutzutage auch in sogenannten sozialen Netzwerken gesucht. Ein bekanntes, deutsches Business-Netzwerk ist dabei Xing. Doch es gibt auch Jobportale wie z.B. Monster.de oder Jobboerse-direkt.de: Hier erstellen die Jobinteressenten ihr eigenes Profil, bei dem sie ihre persönlichen Stärken und Qualifikationen herausstellen. Arbeitgeber haben dadurch den Vorteil, dass sie nicht auf den Eingang von Bewerbungen warten müssen. Durch die Betrachtung der Profile ist es schnell und einfach selbst möglich, direkt geeignete Bewerber ausfindig zu machen. Als weitere Alternative steht die Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung. Auch hier lassen sich auf Anfrage Bewerber nennen, im Unterschied zum Jobportal benötigt die Bundesbehörde dafür allerdings mehr Zeit.

Allround-Qualitäten gesucht

Anders als Mitarbeiter von Personalabteilungen haben Existenzgründer wenig Erfahrung, wenn es um die Auswahl der Bewerber geht. Anhand des Lebenslaufs, nachgewiesener Qualifikationen, Arbeitszeugnissen und eventuell einem persönlichen Gespräch muss entschieden werden, ob der Bewerber als Mitarbeiter geeignet ist. Dabei stellt sich bei vielen Start-ups die besondere Herausforderung, dass die Aufgaben im Unterschied zu einem mittelständischen oder gar großen Unternehmen nur schwerlich aufgeteilt werden können – die dünne Personaldecke lässt dies gar nicht anders zu. Konkret bedeutet dies: Der Mitarbeiter sollte Allround-Qualitäten mitbringen, um vielen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Unvollständige oder fehlerhafte Unterlagen hinterlassen zu Recht schlechten Ersteindruck

Bei den Bewerbungsunterlagen handelt es sich um eine Art Visitenkarte des Bewerbers. Für die Durchsicht sollte sich also Zeit genommen werden – oft lässt sich hier schon einiges über die potentiellen Mitarbeiter erfahren. Rechtschreibfehler und bereits genutzte, abgesetzte Unterlagen vermitteln zu Recht einen schlechten ersten Eindruck. Auch floskelhafte Formulierungen im Anschreiben vermitteln kein positives Bild – sollten je nach Branche allerdings auch kein Problem darstellen. Nicht jeder Mitarbeiter ist kreativ und talentiert darin, Bewerbungen zu formulieren; in den meisten Unternehmen wird diese Fähigkeit allerdings auch nicht benötigt.

Fehler im Text deuten allerdings darauf hin, dass wenig gewissenhaft gearbeitet wird. Natürlich sollte der Lebenslauf auch auf Lücken hin untersucht werden. Wurden einige Monate oder gar Jahre aus beruflicher Sicht nicht sinnvoll genutzt, muss dies allerdings noch kein Ausschlusskriterium darstellen. Entscheidend ist hier oft, wie der Bewerber diese Lücken erklären kann. Wer beispielsweise einige Zeit im Ausland war und seinen Horizont erweitert hat, kann diesen Erfahrungsschatz durchaus in das Unternehmen mit einbringen – auch wenn seine fachlichen Qualitäten dadurch nicht erweitert wurden. Auch Zusatzqualifikationen und Hobbys dürfen nicht unberücksichtigt bleiben, insbesondere hier differieren die Bewerber oft stark voneinander.

Ist der potenzielle Mitarbeiter beispielsweise mit der im Unternehmen genutzten Software vertraut, verkürzt dies die Einarbeitungszeit natürlich ganz erheblich. Außerdem hat der potenzielle Kollege eine genauere Vorstellung von seinem späteren Aufgabenbereich. In einigen Branchen, in denen beispielsweise das freiberufliche Arbeiten üblich ist, sollten natürlich auch die Referenzen begutachtet werden und in die Auswahl mit einfließen.

Im Bewerbungsgespräch zählen Inhalte

Erscheint ein Bewerber formal als geeignet, schafft ein persönliches Vorstellungsgespräch letzte Klarheit. Natürlich hinterlässt ein souveräner Gegenüber einen besseren Eindruck, als der gestresste und offenkundig nervöse Bewerber. Dabei sollte durchaus auch Letzterer eine Chance erhalten: Nicht jeder Mensch kann mit dieser Situation gleich gut umgehen; insbesondere wer weniger talentiert ist, breitet sich oft besser vor. Für die spätere Arbeit im Unternehmen ist ein derart gewissenhafter Mitarbeiter die bessere Wahl, wenn sich als Alternative ein lockerer Kollege anbietet, der mit einem netten Lächeln gerne fehlendes Fachwissen überspielt. Im Gespräch zeigt der Bewerber, ob er sich bereits mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat und auch eine Vorstellung von seinen späteren Tätigkeiten mitbringt.

Knackpunkt Gehalt: Den Arbeitsvertrag verhandeln

Am Ende des Bewerbungsprozesses steht der Arbeitsvertrag. Bereits im Vorfeld dürften beide Parteien für sich einen Gehaltsrahmen abgesteckt haben. Natürlich ist es nicht verwerflich, dass der Bewerber ein wenig pokert – und überhöhte Gehaltszahlungen für sich einfordert. Dabei sollte fair verhandelt werden. Sofern die Chemie zwischen den Gesprächspartnern stimmt und auch die formalen Qualifikationen erfüllt sind, lassen sich fast immer Kompromisse schließen. Vereinbart werden kann auch ein höheres Gehalt nach der Probezeit oder ein Bonussystem. Beides bringt gleich noch den Vorteil mit sich, dass der neue Mitarbeiter sich besonders für das Unternehmen einsetzen wird. Motivierte Mitarbeiter kann jeder Betrieb gebrauchen – insbesondere bei Newcomern liegt darin oft der entscheidende Wettbewerbsvorteil.

 

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