Finanzplan für Existenzgründer: Nicht nur für den Businessplan von Bedeutung

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@ galdzer, depositphotos.com

Der Finanzplan beschreibt die Finanz-, Ertrags- und Vermögenslage des Unternehmens. Er zeigt, wie sich der Umsatz, die Aufwendungen und Erträge entwickeln. Auch bei der Existenzgründung ist er besonders wichtig: Er wird zumeist im Rahmen eines Businessplans erstellt. Denn mögliche Investoren riskieren ihr Geld, wenn sie es in ein Unternehmen anlegen, deshalb sind sie daran interessiert, welche Rendite sie erwarten können.

Selbstverständlich steht Profit im Mittelpunkt auch für die Unternehmensgründer: ohne Profit kann die Firma nicht lange überleben. Erstellung des Finanzplans hilft den Gründern die Entscheidung zu treffen, ob das Geschäft rentabel wird, oder es besser ist gar nicht einzusteigen. Außer der Analyse von Renditemöglichkeiten weist der Plan den Finanzmittelbedarf aus, also wie viel Geld zu welchem Zeitpunkt benötigt wird, wie sich die Liquidität der Firma entwickelt.
Finanzexperten rechnen den sogenannten Break-even-Point, die Gewinnschwelle aus, den Zeitpunkt wenn der Betrag der ersten Umsatzerlöse die Summe aller vorherigen Kosten erreicht.

Im Prozess der Erstellung des Finanzplans sind die folgenden Teilplanungen inbegriffen:

  1. Die Liquiditätsplanung/Cash-flow-Rechnung überblickt wie viel flüssiges Mittel das Unternehmen benötigt.
  2. Aus der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) wird die geplante Ertragslage ersichtlich
  3. Der Bilanzplan weist die künftige Vermögenslage aus

Der Finanzplan umfasst die ersten 3-5 Jahre der Neugründung, aber mindestens ein Jahr über das Erreichen der Gewinnschwelle. Dabei ist es empfehlenswert, die Angaben der ersten zwei Jahre monatlich oder quartalsweise zu detaillieren, danach jährlich vorzuführen.

Liquiditätsplanung

Die Unternehmen müssen jeder Zeit über die zur Zahlung nötigen flüssigen Mittel (Cash) verfügen. Der Liquiditätsplanung sichert, dass genügend Geld zur Verfügung steht, um die finanziellen Verpflichtungen der Firma ausrichten und die Zahlungsunfähigkeit vermeiden zu können. Im Plan wird überprüft, wie viel Geld zu welchem Zeitpunkt reinkommt, und wie viel Geld zu welchem Zeitpunkt ausgegeben wird. Hier werden solche Vorgänge in Betracht gezogen, die direkt die Änderung des Finanzmittelbestands (Bar- oder Zahlungsmittel) bewirken. Abschreibungen, Rückstellungen und aktivierte Eigenleistungen beeinflussen nicht direkt den verfügbaren Barmittelbestand, sie werden nicht hier inbegriffen.

Im Prozess der Liquiditätsplanung werden die Einzahlungen und Auszahlungen gegenübergestellt. Falls die Summe der Einzahlungen größer ist als die Summe der Auszahlungen, ist die Liquidität, d.h. die Zahlungsfähigkeit der Firma sichergestellt. Übersteigt die Summe der Auszahlungen die Summe der Einzahlungen, wird zusätzliches Kapital gebraucht. Der Kapitalbedarf kann durch Kredite oder Kapitalerhöhung gedeckt werden. Während der Kalkulation soll der Zeitpunkt der tatsächlichen Einzahlungen und Auszahlungen vor Augen gehalten werden, der Zeitpunkt von Rechnungsstellung oder von Rechnungszugang ist hier nicht maßgeblich. Die Erstellung einer Rechnung bedeutet nicht gleich die Erhöhung des Bestandes von flüssigen Mitteln.

Plan-Gewinn- und Verlustrechnung

Dieser Teil des Finanzplanes beantwortet die wichtigste Frage von Unternehmern und Investoren: Wird die Neugründung rentabel sein? Das Geschäftsergebnis, also der Gewinn bzw. der Verlust wird als die Differenz der Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres kalkuliert.

Die Gewinn- und Verlustrechnung ist für jedes Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben (s. Handelsgesetzbuch). Der Informationsbedarf von Eigentümern, Geschäftspartnern, oder Gläubigern verlangt, dass die Ertragslage der Firmen mindestens einmal im Jahr ausführlich vorgestellt wird. Größere Unternehmen rechnen ihren Gewinn/Verlust monatlich oder vierteljährlich. Firmen, deren Aktien auf der Börse gehandelt werden, melden ihre Ergebnisse in jedem Vierteljahr. Steuern werden auch von dem Gewinn berechnet.

Struktur der GuV wird im Gesetz geregelt: Aufwände und Erträge sind in vorgeschriebener Ordnung und in bestimmten Kategorien aufzulisten. Erträge vermehren den Gewinn und damit das Eigenkapital, Aufwände wirken umgekehrt.

Die Hauptkategorien der GuV sind:

Aufwände

  • Materialaufwand, wie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und bezogene Waren und Leistungen.
  • Personalaufwand: Löhne und Gehälter mit Sozialabgaben und Steuern.
  • Abschreibungen.
  • Sonstige betriebliche Aufwendungen, ein Sammelposten für Mieten, Versicherungen, Bürobedarf, Porto, Werbung, Rechtsberatung, Reisekosten, Reparaturen, Patent- oder Lizenzgebühren usw.
  • Zinsen und ähnliche Aufwendungen.

Erträge

  • Umsatzerlöse, die vom Verkauf der Produkte oder Dienstleistungen stammen.
  • Bestandsveränderungen und aktivierte Eigenleistungen.
  • Sonstige betriebliche Erträge.
  • Staatliche Zuschüsse

Cash-flow-Rechnung

Zum Cashflow gehören die durch die Tätigkeit des Unternehmens erwirtschafteten finanziellen Mittel. Es gibt zwei Methoden für die Cashflow-Kalkulation:

  • Die direkte Methode untersucht die Differenz von Einzahlungen und Auszahlungen, ähnlich wie bei Liquiditätsrechnung, ergibt die gleiche Summe wie die Liquiditätsplanung.
  • Die indirekte Methode wird in der Praxis häufiger benutzt. Ihr Berechnungsschema lautet:
    Cashflow = Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag + Abschreibungen – Zuschreibungen + Erhöhung (-Verminderung) der Rückstellungen

Ein positiver Cashflow zeigt, dass die Firma über finanzielle Mittel verfügt. Im Falle eines negativen Betrages wurden mehr finanzielle Mittel ausgegeben als zugeflossen sind, zusätzliches Kapital ist notwendig, um das Unternehmen aufrecht zuhalten.

Bilanzplanung

Die Bilanz spiegelt die Vermögenslage eines Unternehmens wieder: praktisch ist sie eine Liste der Vermögensgegenstände, die nicht nur die Gegenstände, sondern auch ihre Herkunft aufweist.
Die Bilanz wird zu einem bestimmten Stichtag erstellt, so ist sie eine Art „Momentaufnahme“ des
Unternehmens. Die Aufstellung der Bilanz wird im Handelsgesetzbuch geregelt.
Auf der Aktivseite befinden sich die Vermögensgegenstände:

Anlagevermögen, die langfristig im Unternehmen bleiben, wie

  • immaterielle Vermögensgegenstände (z.B. Patente),
  • Grundstücke und Gebäude,
  • technische Anlagen,
  • langfristige Finanzanlagen.

Sowie Umlaufvermögen, die nur kurzfristig behalten werden, wie

  • Lagermengen und Vorräte,
  • Forderungen,
  • Barmittel.

Auf der anderen Seite der Bilanz werden die Passiva, welche die Kapitalherkunft der Vermögensgegenstände vorführen, der Aktiva gegenübergestellt. Das Vermögen des Unternehmens stammt entweder von dem Eigenkapital oder von dem Fremdkapital. Das Fremdkapital bedeutet Verbindlichkeiten, die kurzfristig oder langfristig bestehen können. Zum Abschluss des Geschäftsjahrs wird das Ergebnis in die Position „Eigenkapital“ durchgeführt.

Der Bilanzplan informiert die Kapitalgeber, wie die Vermögenslage, also der Wert der Neugründung sich entwickeln wird, ist daher ein bedeutender Faktor der Investitionsentscheidung.

Eine vernünftige Finanzplanung schafft die Basis für ein erfolgreiches Controlling.

Die Finanzplanung erfüllt im Verlauf der Existenzgründung dann aber noch einen weiteren Zweck. Sie ist Vorlage für ein Controlling. Während die meisten Gründer zwar Excel-Dateien vom Steuerberater bekommen, um Ausgaben und Einnahmen zu verfolgen und zu dokumentieren, gibt es meist kein Controlling. Das kann manchen Gründer in Teufels Küche bringen und das schon ganz am Beginn der unternehmerischen Aktivitäten.

Das Controlling fängt beispielsweise damit an, dass die Investitionskosten, die im Businessplan eingeplant wurde, geprüft werden sollten. Wer nicht verfolgt, wie viel bisher ausgegeben wurde und ob die Planung noch eingehalten wird, kann schnell böse Überraschungen erleben, wenn die finanziellen Mittel für Investitionen am Ende nicht ausreichen. Wer nicht genügend Eigenkapital hat, um dann die Finanzen aufzustocken, bekommt schon zu Beginn Probleme mit der Finanzierung. Auch im weiteren Verlauf dient die Finanzplanung aus dem Businessplan für das Controlling der Existenzgründung.

Tools helfen Ihnen das Controlling zu verwalten

Monatliche Einnahmen und Ausgaben sollten mit den geplanten monatlichen Einnahmen und Ausgaben abgeglichen werden. So zeigt sich schnell, wenn die Finanzen aus dem Ruder laufen und die Rentabilität der Existenzgründung nicht eingehalten werden kann. Werden die geplanten Daten aus dem Businessplan nicht erreicht, ist es ratsam möglichst früh solche Massnahmen zu ergreifen, die dem entgegen wirken. Wer kein Controlling hat, erkennt oft viel zu spät, dass es nicht gut läuft und das kann ein junges Unternehmen sogar in den Ruin treiben. Für das Controlling können verschiedene Tools eingesetzt werden. Oft ist die Anpassung der Excel-Tabelle des Steuerberaters die einfachste Lösung und Excel kann als Controlling-Tool dienen.

Es gibt aber auch unterschiedliche Software, die solche Zwecke erfüllt. Das reicht von kostengünstigen Lösungen bis hin zu teuren Profi-Lösungen für grosse Unternehmen. Die Auswahl sollte sorgfältig getroffen werden; ein genauer Blick auf geeignete Methoden und Tools ist erforderlich. So wird aus der Existenzgründung, die zunächst nur auf dem Papier existiert hat, am Ende ein erfolgreiches Unternehmen, das gute Chancen hat, sich erfolgreich am Markt zu etablieren.

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